Ratgeber · Grundlagen · 5 Minuten

Wie funktioniert ein Echolot?

Ein Echolot sendet einen kurzen Schallimpuls ins Wasser und misst die Zeit, bis das Echo zurückkommt. Aus dieser Laufzeit und der Schallgeschwindigkeit im Wasser — rund 1.480 m/s — berechnet das Gerät die Entfernung zum Objekt. Wie stark das Echo zurückkommt, verrät, worauf der Schall getroffen ist: harter Grund reflektiert stark, weicher Schlamm schwach, die Schwimmblase eines Fisches deutlich genug, um sie vom Wasser zu unterscheiden.

Der Weg des Signals in vier Schritten

  1. Senden Der Geber — ein Schallwandler, oft auch Schwinger genannt — wandelt einen elektrischen Impuls in Ultraschall um und schickt ihn als Kegel nach unten ins Wasser.
  2. Reflektieren Trifft der Schall auf etwas, dessen Dichte sich vom Wasser unterscheidet, wird ein Teil zurückgeworfen: Grund, Kraut, Steine, Luftblasen — und die luftgefüllte Schwimmblase eines Fisches.
  3. Empfangen Derselbe Geber schaltet auf Empfang und nimmt das Echo auf. Zwischen Senden und Empfangen liegen je nach Tiefe wenige Millisekunden.
  4. Rechnen und Zeichnen Aus der Laufzeit wird die Entfernung, aus der Stärke des Echos die Farbe. Das Gerät zeichnet daraus eine Spalte auf dem Display — und schiebt sie mit jedem neuen Impuls nach links.
Warum das Bild nach links wandert

Ein Echolot zeigt keine Karte, sondern eine Zeitachse. Jede Bildspalte ist ein Moment. Steht dein Boot still, siehst du also nicht „nichts“, sondern immer wieder dieselbe Stelle — ein Fisch, der darunter steht, wird dann zum langen waagerechten Strich statt zur Sichel. Das ist die häufigste Verwechslung bei Einsteigern.

Frequenz: der wichtigste Regler überhaupt

Die Sendefrequenz entscheidet über zwei Dinge gleichzeitig, die sich gegenseitig ausschließen: Reichweite und Detailschärfe. Niedrige Frequenzen dringen tief ein, zeichnen aber grob. Hohe Frequenzen liefern ein scharfes Bild, kommen aber nicht so tief.

Frequenz Kegelöffnung Reichweite Wofür
50 kHz weit (ca. 45–60°) sehr tief Große Tiefen, Meer, großflächiges Absuchen
83 kHz weit (ca. 60°) mittel Fisch suchen im Flachen, großer Erfassungs- bereich
200 kHz eng (ca. 20°) gering Detail, Fischtrennung, Vertikalangeln
455–800 kHz sehr eng, fächerförmig gering Down- und Side-Imaging, fotoartige Struktur
1.200 kHz (MEGA) extrem eng sehr gering Höchste Detailstufe im Flachwasser

Was CHIRP daran ändert

Ein klassisches Echolot sendet auf einer festen Frequenz. CHIRP (Compressed High Intensity Radar Pulse) fährt stattdessen einen ganzen Frequenzbereich durch, zum Beispiel von 150 bis 250 kHz. Das Gerät bekommt dadurch mehr Informationen pro Impuls und kann Echos sauberer trennen. Praktisch heißt das: Zwei Fische dicht übereinander werden zu zwei Sicheln statt zu einem Klumpen, und der Störanteil im Bild sinkt spürbar.

Der Kegel: warum du weniger siehst, als du denkst

Der Schall breitet sich kegelförmig aus. Der erfasste Durchmesser am Grund hängt deshalb direkt an der Tiefe — und ist im Flachen überraschend klein.

Als grobe Faustregel gilt bei einem 20°-Kegel: Der Durchmesser am Grund entspricht etwa einem Drittel der Wassertiefe. In 3 m Tiefe siehst du also einen Kreis von rund 1 m Durchmesser — das ist weniger als die Länge deines Bootes. Bei einem weiten 60°-Kegel entspricht der Durchmesser dagegen ungefähr der Wassertiefe.

Die praktische Folge

Wenn du in 3 m Tiefe mit 200 kHz fährst und keinen Fisch siehst, heißt das nicht, dass keiner da ist — du hast nur einen Meter Wasser abgesucht. Zum Suchen nimmst du die niedrige Frequenz mit weitem Kegel, zum genauen Hinschauen die hohe. Genau deshalb haben die meisten Geber zwei Frequenzen.

2D, Down-Imaging, Side-Imaging und Live-Sonar

Alle vier arbeiten mit demselben Prinzip, unterscheiden sich aber in Frequenz, Kegelform und Auswertung.

Art Was du siehst Stärke Grenze
2D / CHIRP Klassisches Bild mit Fischsicheln Fisch vom Grund trennen, Tiefe, Härte Zeigt keine Struktur im Detail
Down-Imaging Fotoartiger Schnitt senkrecht nach unten Bäume, Kanten, Kraut erkennen Fisch schlechter vom Hintergrund trennbar
Side-Imaging Streifen links und rechts neben dem Boot Große Flächen schnell absuchen Nur bei gleichmäßiger Fahrt brauchbar
Live-Sonar Bewegtbild in Echtzeit Köder und Fischreaktion gleichzeitig sehen Begrenzte Reichweite, teuer, braucht Ausrichtung

Welche Kombination sinnvoll ist, hängt an deiner Angelei. Beim Vertikalangeln reicht oft 2D plus Live-Sonar; wer Strukturen sucht, will Side-Imaging. Unser Sortiment an Echoloten deckt alle vier Bauarten ab — welche Kombination zu deinem Gewässer passt, besprechen wir gern vorher mit dir.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Sonar und Echolot?

Technisch dasselbe Prinzip, nur ein anderer Sprachgebrauch. Sonar (Sound Navigation and Ranging) ist der Oberbegriff für alle Verfahren, die mit Schall unter Wasser orten. Echolot bezeichnet im deutschen Sprachraum die Anwendung davon zur Tiefen- und Fischortung. In der Angelpraxis meinen beide Wörter dasselbe Gerät — „Sonar“ wird nur häufiger für moderne Bildverfahren wie Side-Imaging und Live-Sonar benutzt.

Wie kann ich Fische mit einem Echolot erkennen?

Fische erscheinen im klassischen 2D-Bild als Sichel oder Bogen. Der Grund dafür ist der Kegel: Beim Einfahren in den Kegel ist der Weg zum Fisch länger, in der Mitte am kürzesten, beim Ausfahren wieder länger — das ergibt den Bogen. Je vollständiger die Sichel, desto länger war der Fisch im Kegel. Steht das Boot still, wird aus der Sichel ein waagerechter Strich. Mehr dazu in unserem Ratgeber Echolotbilder deuten.

Wie tief muss der Geber ins Wasser?

Er muss dauerhaft und vollständig untergetaucht sein — als Richtwert 15 bis 30 cm unter der Wasserlinie. Zu flach montiert saugt er bei Fahrt Luft an, und das Bild reißt ab. Wichtig ist außerdem eine Position in störungsfreiem Wasser, also nicht direkt hinter einer Kante oder im Schraubenwasser. Passende Geberstangen halten die Tiefe konstant.

Funktioniert ein Echolot auch im Salzwasser?

Ja. Salzwasser leitet Schall sogar etwas besser, die Schallgeschwindigkeit liegt geringfügig höher als im Süßwasser — moderne Geräte rechnen das heraus. Wichtiger ist das Material: Für Salzwasser solltest du Halterungen aus V4A-Edelstahl wählen und den Geber nach dem Einsatz mit Süßwasser abspülen.

Warum zeigt mein Echolot bei schneller Fahrt nichts mehr an?

In den meisten Fällen sind es Luftblasen am Geber. Bei Fahrt reisst die Strömung an Kanten ab und es entsteht ein Blasenteppich, den der Schall nicht durchdringt. Abhilfe: Geber tiefer setzen, Position in ruhigeres Wasser verlegen oder eine Geberstange nutzen, die den Geber unter die Störzone bringt. Auch ein leicht nach hinten geneigter Geber hilft.

Vom Verstehen zum Fangen

Die Theorie ist der einfache Teil. Wer sein Echolot wirklich lesen will, braucht ein paar Stunden am Wasser mit jemandem, der es täglich macht — genau dafür gibt es unsere Schulungen auf der Donau.

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